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Peterhansel: Auf dem Motorrad fuhr die Angst immer mit

Dakar-Rekordsieger Stephane Peterhansel denkt mit gemischten Gefühlen an seine Zeit als Motorradfahrer zurück: "Hatte jeden Morgen ein flaues Gefühl"

(Motorsport-Total.com) - Mit 13 Siegen ist Stephane Peterhansel nicht nur insgesamt der erfolgreichste Fahrer in der Geschichte der Rallye Dakar. Mit sechs Erfolgen auf dem Motorrad in den Jahren 1991 - 1998 ist der Franzose (zusammen mit Marc Coma) auch in der Zweiradwertung Rekordhalter. An seine Zeit als Motorradfahrer bei der Rallye Dakar denkt der 52-Jährige heute allerdings mit gemischten Gefühlen zurück.

Stephane Peterhansel

Stephane Peterhansel ist froh, nicht mehr auf einem Motorrad die Dakar zu fahren Zoom

"Auf dem Motorrad hatte ich manchmal Angst", gibt Peterhansel im Interview mit 'Motorsport-Total.com' zu. Das lag nicht an Zweifeln an seinen Fahrkünsten. "Ich bin nicht oft gestürzt, aber wenn man nur knapp einem schweren Sturz entgeht, fährt einem der Schreck in die Glieder", sagt Peterhansel. "Weil man weiß, dass es richtig wehtut, wenn man bei hoher Geschwindigkeit stürzt."

Einer der Auslöser für Peterhansels mulmiges Gefühl war ein Ereignis bei der Rallye Dakar 1992. "Was mich am meisten geprägt hat war der Tod meines guten Freunds Gilles Lalay, der 1989 die Dakar gewonnen hat. Er war mein Kumpel und ist direkt vor meinen Augen gestürzt und gestorben", erzählt Peterhansel. Lalay war damals mit einem Fahrzeug der Organisatoren kollidiert und an den Folgen des Unfalls verstorben.

Nach Tod des Freundes: "Was zum Teufel mache ich hier?"

Dieses traumatische Erlebnis ließ Peterhansels Begeisterung für den Rennsport zunächst einmal erlöschen. "Nach diesem Unfall wollte ich mit der Dakar Schluss machen. Sechs Monate lang wollte ich nichts davon hören", so der Franzose. "Je länger die Zeit verging, umso größer wurde aber das Verlangen, zurückzukehren, doch mehr als ein halbe Jahr lang habe ich mich gefragt: 'Was zum Teufel mache ich hier? Wieso sollte ich dahin zurückgehen? Was soll das Ganze?'"


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Letztlich gewann die Leidenschaft für den Rennsport bei Peterhansel wieder die Oberhand, und er setzte seine Karriere als Motorradfahrer mit Erfolg fort. Doch die Angst war seit dem Unfall seines Freundes Lalay ein ständiger Begleiter. "Auf dem Motorrad zahlst du für den kleinsten Fehler den Preis. Ein winziger Fahrfehler reicht aus, um zu stürzen, und wenn man stürzt, tut man sich in der Regel richtig weh. Diese Angst hat man immer im Hinterkopf."

"Während meiner gesamten Motorrad-Karriere hatte ich jeden Morgen, vor jeder Etappe ein flaues Gefühl im Magen. Ich dachte: 'Hör' zu, du musst jetzt los. Wenn heute jemand schneller als du fährst, dann lass ihn fahren und riskier' nicht dein Leben.' Und so ging das jeden Morgen", so Peterhansel. "Ich hatte Angst davor, mir selbst wehzutun."

Sicheres Gefühl im Auto

Diese Angst wurde der Franzose erst los, als er 1999 in die Auto-Kategorie wechselte. "Selbst fünf Sekunden vor dem Start war die Anspannung nicht so hoch wie bei den Motorrädern. Das lässt sich nicht vergleichen", sagt Peterhansel, wundert sich aber selbst ein wenig darüber. "Irgendwie ist es aber auch seltsam, denn im Auto setzt man sich genau so einem Risiko aus wie im Auto. Doch dort fühlte ich mich immer sicher."

Fährt also bei der Rallye Dakar bei allen Motorradfahrern die Angst auf dem Sozius mit? Mitnichten wie Peterhansel berichten kann. "Cyril (Despres;,Teamkollege; Anm. d. Red.), der den gleichen Weg wie ich gegangen ist, hatte auf dem Motorrad nie Angst, dass er sich wehtut", erzählt er. "Er ist nicht öfter oder seltener gestürzt als ich, aber er hatte nie Angst."

"Vielleicht habe ich der harten Realität direkt ins Auge geblickt, wobei Cyril das auch gemacht hat. Bei meiner ersten Dakar stürzte mein Teamkollege und war von da an querschnittsgelähmt. Drei Jahre später kam mein bester Kumpel ums Leben. Vielleicht hatte ich deshalb immer Angst, mir wehzutun. Das war bei Cyril nicht so der Fall, wir hatten nicht die gleichen Voraussetzungen."

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