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Die Entwicklung der Formel 1 in den 2000er Jahren

Nur geringfügige Veränderungen des Reglements ermöglichten es den Teams, sich im Winter 1999/2000 auf die Weiterentwicklung zu konzentrieren. Auf dem Kraftstoffsektor gab es eine Neuerung: Die Formel 1 verwendet seit dieser Saison ultrareinen Kraftstoff, der mit einer neuen EU-Direktive übereinstimmt. Der maximale Schwefelgehalt ist deutlich reduziert und der Anteil von Aromastoffen von 42% auf 35% gesenkt. Gemeinsam mit seinen Partnern zog Ferrari während der Entwicklungs- und Konstruktionsphase alle Register. Auf Anhieb zeigte sich Michael Schumacher, inzwischen voll genesen, begeistert. Den Typ F1-2000 bezeichnete der Deutsche als den besten Ferrari, den er je gefahren sei. Wie die Konkurrenz hatte die Scuderia beim Bau des 2000er-Boliden speziell drei Bereiche im Visier: das weitere Absenken des Schwerpunkts, aerodynamische Feinarbeit und Gewichtsreduzierung. Zwar gilt ein Mindestgewicht, das nicht unterschritten werden darf, aber trotzdem wird pausenlos "abgespeckt". Die zunächst eingesparten Massen tauchen in der Gesamtkonstruktion als Ballast wieder auf. Der Vorteil: Er kann variabel montiert werden, was dem streckenspezifischen Ausbalancieren der Rennwagen zugute kommt. Noch vor drei Jahren "spielten" die Ingenieure mit 15 Kilogramm. Heute sind es 80 kg, die von den Top-Teams variabel montiert werden können. Parallel wurde die Leistung des Ferrari-Motors und dessen Fahrbarkeit durch eine komplette Neukonstruktion verbessert. Und auf der Pilotenseite bekam Schumacher mit dem pfeilschnellen Brasilianer Rubens Barrichello einen neuen "Sekundanten". Trotz des traumhaften Saisonstarts für Ferrari kalkuliert "Schumi" einen weiteren Formanstieg der Silberpfeile ein.

Michael Schumacher wird zum dritten Mal Weltmeister

Michael Schumacher erwischte einen Traumstart in die Saison, gewann die Auftaktrennen in Australien, San Marino und Brasilien. Doch McLaren-Mercedes bekam die Zuverlässigkeitsprobleme der ersten drei Rennen in den Griff und schlug zurück. In Monaco fiel Michael Schumacher in Führung liegend nach einem Aufhängungsbruch aus, in Frankreich war es der Motor, der Schumacher zur Aufgabe zwang, dann folgten zwei Startunfälle in Folge. Nach Ungarn, dem 12. von 17 Rennen der Saison, verlor Michael Schumacher die WM-Führung an Mika Häkkinen. Alles sah wieder danach aus, als sollte der Finne den Titelhattrick schaffen, das zweite Mal in der Geschichte der Formel 1 nach Juan-Manuel Fangio. Doch mit dem Sieg der letzten vier Rennen sicherte sich Michael Schumacher nach 21 Jahren wieder den ersten Fahrer-WM-Titel für Ferrari und nach 1994 und 1995 mit Benetton seinen dritten WM-Titel. Mika Häkkinen wurde mit 19 WM-Punkten Rückstand Vizeweltmeister.


Mit dem F1-2000 holte Michael Schumacher den ersten Fahrertitel für Ferrari seit 21 Jahren

Mitten in der Saison beschneidet die FIA die Elektronik

Technisch lagen in diesem Jahr die McLaren-Mercedes und die Ferrari gleich auf, nur die Silberpfeile hatten bei den Starts deutlich die Nase vorne und ließen Ferrari meistens deutlich stehen. Nach dem vierten Saisonrennen gab es den Verdacht, dass Teams verkappte Traktionskontrollen einsetzen. Aus diesem Grund beschnitt der Motorsportweltverband mitten in der Saison die Elektronik, um dem vorzubeugen. Die Rundenzeiten stiegen nur unmerklich an, die Teams verloren am meisten Zeit in den Boxen, weil die Motoren mehr Benzin schluckten.

In der Saison 2000 überraschte Rückkehrer BMW mit einer tollen Saison, vier dritten Plätzen von Ralf Schumacher und mit Partner Williams dem dritten Platz in der Konstrukteurswertung. Das Jordan-Team stieg nach der tollen Saison 1999, als man Dritter wurde, bitter auf den sechsten Platz ab. Neueinsteiger Jaguar Racing musste sich im ersten Jahr mit vier WM-Punkten und Platz neun zufrieden geben. Das Prost-Peugeot-Team holte gar null Punkte und kam auf den letzten Platz, für Formel-1-Neuling Nick Heidfeld ein Desaster, für Peugeot war es die vorerst letzte Formel-1-Saison.

2001: Ferrari dominiert und Schumacher knackt Rekorde

11 Pole Positions und 9 Siege - Ferrari hatte 2001 klar das beste Auto und den besten Fahrer. 57 Prozent aller Führungskilometer spulten die Roten ab und sammelten insgesamt 197 WM-Punkte, 77 Zähler mehr als das zweitplatzierte Team McLaren-Mercedes. Mit einer Ausfallquote von rund 18 Prozent hatte man zudem ein sehr zuverlässiges Auto im Feld. Insbesondere das Qualifying war die Stärke des F2001. Dies zeigt sich nicht nur an der Anzahl der Pole Positions, sondern auch daran, dass Ferrari in den 17 WM-Läufen nur drei Mal die schnellste Rennrunde drehte.

Gewann Michael Schumacher den Titel 2000 im vorletzten Rennen, so stand er 2001 schon vier Rennen vor Schluss als neuer und alter Weltmeister fest. Der nun vierfache Weltmeister brach gleich reihenweise Rekorde. So setzte er sich mit 53 Siegen vor Alain Prost (51), sammelte 801 WM-Punkte an und schlug damit den alten Rekord von 798,5 Punkten, den ebenfalls Prost hielt. Ganz nebenbei häufte der Deutsche in diesem Jahr 123 WM-Punkte an und gewann den Titel mit 58 Zählern Vorsprung auf David Coulthard, was zwei weitere Rekorde für den erfolgreichsten Fahrer aller Zeiten sind. Beeindruckend: Ferrari hätte auch mit Michael Schumacher alleine den Konstrukteurstitel gewonnen.


Die Konkurrenz war fast machtlos - fast auf allen Strecken war der Ferrari F2001 am besten

McLaren-Mercedes - die stumpfen Silberpfeile

Zu Saisonbeginn litt der MP4-16 an chronischem Untersteuern, seit langer Zeit konnte Aerodynamik-Star Adrian Newey zu Saisonbeginn kein exzellentes Auto auf die Beine stellen. Probleme bereitete dem Team vor allem die Beschneidung der Aerodynamik. So wurden die Frontflügel um einige Zentimeter nach oben gesetzt, um den Abtrieb zu verringern und die Anzahl der Heckflügelelemente wurde auf maximal drei festgeschrieben.

Hinzu kamen zahlreiche Probleme mit der Startautomatik, die dazu führten, dass die Fahrer oftmals erst gar nicht vom Fleck kamen oder dem Feld hinterherfahren mussten. War das Auto erst einmal losgefahren, zeigte es sich mit einer Ausfallquote von rund 35 Prozent jedoch als eines der zuverlässigsten Autos. Die Schwäche des McLaren-Mercedes war das Qualifying, was sich an nur zwei Pole Positions zeigt, die sechs schnellsten Rennrunden gegenüber stehen. Motorenbauer Mario Illien machte das Beryllium-Verbot mehr zu schaffen als zunächst vermutet, was zu einem PS-Defizit auf BMW und Ferrari führte.

BMW-Williams - die Highspeed-Spezialisten

Auf schnellen Strecken war der FW23 2001 das Maß der Dinge, dank dem stärksten Motor im Feld und einer effizienten Aerodynamik und Formel-1-Rückkehrer Michelin, der einige Male einen überlegenen Reifen liefern konnte. Enge Strecken wie Monaco waren hingegen die Schwäche des BMW-Williams. Mit vier Siegen war BMW genauso erfolgreich wie Erzrivale Mercedes, dennoch musste man sich mit 22 Punkten Rückstand auf McLaren-Mercedes mit dem dritten Platz zufrieden geben. Schuld daran waren vor allem die mangelnden Zielankünfte. Mit fast 53 Prozent Ausfallquote belegte man den drittletzten Platz. Das Potenzial des Autos beweisen 26 Prozent aller Führungskilometer, 10,067 Punkte bei Zielankunft, 8 schnellste Rennrunden, 4 Pole Positions und im Schnitt 0,712 Sekunden Abstand auf die Pole.

Seinem ersten Formel-1-Sieg in Imola ließ Ralf Schumacher in Montreal und Hockenheim zwei weitere Triumphe folgen. Mit 14 Prozent der Führungskilometer belegte "Schumi II" Rang 2 hinter seinem Bruder. Kam der frisch gebackene Familienvater ins Ziel, so sammelte er im Schnitt 4,9 WM-Zähler. 49 WM-Punkte brachten ihm den vierten WM-Platz ein. 1 Pole Position und 5 schnellste Rennrunden waren weitere Highlights von Ralf Schumacher. Mit 0,566 Sekunden Rückstand auf die Pole Position war der "kleine Schumi" an seinem Bruder am dichtesten dran und entschied das Stallduell gegen Montoya mit 11:6 für sich.

Sauber-Petronas - Die Überraschung der Saison

WM-Rang 4 mit 21 WM-Punkten - damit hatte bei Sauber vor dem Saisonstart keiner gerechnet. Mit zwei jungen motivierten Fahrern sammelte man fleißig Punkte - dank einem exzellenten Auto und ausreichend PS mit dem Vorjahresmotor von Ferrari im Heck. Es war die bisher erfolgreichste Saison für den Rennstall von Peter Sauber. Nach seiner enttäuschenden Debütsaison im Prost hatte Nick Heidfeld bei Sauber endlich ein Auto, mit dem er zeigen konnte, zu was er fähig ist. Das Highlight war der dritte Platz im Regenchaos von Sao Paulo. Mit 12 WM-Punkten beendete der Deutsche die Saison als WM-Achter.

2002: Ferrari-Dominanz auf ganzer Linie

Wer meinte, dass die Saison 2001 schon die maximal mögliche Überlegenheit von Ferrari gezeigt hat, der wurde ein Jahr darauf eines Besseren belehrt. Michael Schumacher und Rubens Barrichello holten 15 Siege in 17 Rennen, hinzu kamen zehn Pole Positions und zwölf schnellste Rennrunden. Am Ende der Saison hatte Ferrari genauso viele Punkte wie alle anderen Teams zusammen.

Ferrari spielte mit den Gegnern Katz und Maus. BMW-Williams und McLaren-Mercedes hatten auch der phänomenalen Zuverlässigkeit des Ferrari F2002 nichts entgegenzusetzen. Bereits beim Frankreich-Grand-Prix, sieben Rennen vor Saisonende, sicherte sich Michael Schumacher seinen insgesamt fünften WM-Titel und zog damit mit Juan Manuel Fangio gleich.

Doch die Dominanz brachte auch Schattenseiten mit sich. In Österreich, beim erst sechsten Rennen der Saison, musste Rubens Barrichello zurückstecken und den Sieg an Michael Schumacher abgeben. Der Eklat war perfekt, denn niemand verstand, warum Ferrari in einer solch dominierenden Situation zu einer Stallorder greift. In Indianapolis wollten beide Fahrer zudem einen parallelen Zieleinlauf konstruieren. Michael Schumacher, der bis auf zwei Runden das gesamte Rennen angeführt hatte, bremste jedoch zu stark. Barrichello gewann somit mit nur elf Tausendstelsekunden Vorsprung.


Keine Chance für die Konkurrenz - bereits in Frankreich sicherte sich Schumacher den Titel

Die Teams Arrows und Prost müssen aufgeben

Die Saison 2002 stand auch im Zeichen eines Verlustes. Bereits im Herbst des Jahres 2001 musste Ex-Formel-1-Weltmeister Alain Prost einräumen, dass sein Formel-1-Team dem Konkurs entgegen geht. Bald war klar, dass der Rennstall die Saison 2002 nicht mehr in Angriff nehmen kann. Prosts Formel-1-Abenteuer dauerte nur fünf Jahre, 1997 übernahm der Franzose das Ligier-Team.

Im Laufe der Saison wurde offensichtlich, dass nach Prost auch andere Teams der Formel 1 von einer Pleite bedroht sind. Heinz-Harald Frentzen unterschrieb für die Saison 2002 beim Arrows-Team, nachdem das Prost-Team aufgeben musste. Doch die Freude über das gefundene Cockpit währte nicht lange. Bei den letzten fünf Rennen der Saison kam kein Arrows-Bolide mehr zum Einsatz, kurze Zeit später schlossen sich die Rollläden der Arrows-Box für immer.

Toyota betritt die Formel-1-Bühne

Während die Teams Arrows und Prost aus der Formel 1 verschwanden, fand 2002 ein weiterer Automobilgigant den Weg in die Königsklasse des Motorsports. Toyota begann 2002 nach einem Jahr intensiver Vorbereitung das Abenteuer Formel 1. Die Ziele steckte man gewollt niedrig, die erste Saison sollte dem eigenen Team Erfahrung bringen. Die Piloten Mika Salo und Allan McNish schlugen sich jedoch besser, als es die Konzernspitze erwartet hatte. Bereits im ersten Rennen in Australien konnte Salo den ersten WM-Punkt einfahren, und drei Mal stand ein Toyota in der Startaufstellung unter den zehn schnellsten Autos.

Massive Regeländerungen in der Formel 1

Die FIA reagierte auf die Dominanz von Ferrari und das schwindende Zuschauerinteresse mit recht revolutionären Umstellungen. Um das Rennergebnis nicht schon mit der Startaufstellung zu entscheiden, wurden die Qualifying-Regeln massiv geändert. Hatte ein Fahrer bis zum Jahr 2002 noch zwölf Runden zur Verfügung, mit denen er innerhalb einer Stunde eine möglichst schnelle Zeit erzielen drehen konnte, so wurde ab 2003 das Einzelzeitfahren eingeführt. Ein Pilot hatte nun nur noch eine einzige schnelle Runde, die über seinen Startplatz entschied. Erschwerend kam hinzu, dass nach dem Qualifying am Samstag nicht mehr am Auto gearbeitet werden durfte. Bis zum Rennstart am Sonntag waren alle Fahrzeuge im Parc Fermé unter Verschluss. Da niemand wusste, welche Benzinmenge in den Autos der anderen Teams steckte und die Teams weiterhin taktische Spielerein aufboten, waren einige Startaufstellungen bunt durcheinander gewürfelt. Die Änderungen zeigten Wirkung: Die Saison 2003 bot viele spannende Rennen.

2003: Schumacher wird sechsfacher Weltmeister

Die Saison 2002 zeigte eine solche Überlegenheit von Ferrari, dass viele nicht daran glaubten, dass die Saison 2003 anders verlaufen würde. Doch schon die ersten Rennen zeigten, dass die Dominanz von Ferrari verflogen war. In den ersten drei Rennen konnten Michael Schumacher und Rubens Barrichello gerade einmal 16 Punkte holen.

Bereits im ersten Saisondrittel kristallisierte sich dabei heraus, dass McLaren-Mercedes wieder aufholen konnte. Zwar mussten Kimi Räikkönen und David Coulthard mit einer verbesserten Version des MP4-17 aus dem Vorjahr an den Start gehen, doch gerade der junge Finne leistete sich kaum Fehler. Sein erster Grand-Prix-Sieg in Malaysia war ohnehin überfällig.

Schwerer hatte es BMW-Williams. Der FW25 war ein komplett neues Auto und das Team verstand erst nach einigen Rennen die Aerodynamik des neuen Boliden. Ralf Schumacher und Juan-Pablo Montoya starteten eine Aufholjagd, der Kolumbianer besaß bis zwei Rennen vor Schluss noch Chancen auf den Titel.

Doch Schumachers Routine setzte sich letztendlich durch. Beim letzten Rennen in Suzuka hatte der Wahlschweizer mit Kimi Räikkönen nur noch einen Gegner beim Kampf um den Titel. Der Finne hätte gewinnen müssen, schaffte dies aber nicht. So konnte sich Michael Schumacher als erster Fahrer der Formel-1-Geschichte den sechsten Weltmeistertitel sichern.


Renault-Pilot Fernando Alonso ist der jüngste Grand-Prix-Sieger aller Zeiten

Renault kämpft sich an die Spitze

Auch Renault hatte sich entschieden, wieder werksseitig in der Formel 1 vertreten zu sein. Schon 2001 rüstete man das Benetton-Team mit Motoren aus, ein Jahr später übernahm man den ganzen Rennstall und trat wieder als Renault-Werksteam an. Bereits 2002 konnte man dabei einige Achtungserfolge erzielen, doch im Jahr 2003 fanden die Franzosen Anschluss an die Spitze. Nachwuchsstar Fernando Alonso holte mit dem Renault R23, beziehungsweise dem R23B, nicht nur zwei Pole Positions, der Spanier fuhr in Ungarn auch seinen ersten Formel-1-Sieg ein. Damit wurde Alonso der jüngste Formel-1-Fahrer, der je einen Grand Prix für sich entscheiden konnte und bei einem Formel-1-Rennen auf der Pole Position stand.

Die Fahrer-Weltmeister der 2000er Jahre

2000: Michael Schumacher (Ferrari)
2001: Michael Schumacher (Ferrari)
2002: Michael Schumacher (Ferrari)
2003: Michael Schumacher (Ferrari)

Die Konstrukteurs-Weltmeister der 2000er Jahre

2000: Ferrari
2001: Ferrari
2002: Ferrari
2003: Ferrari

 

 
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