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Prost: Das Licht geht endgültig aus

28. Januar 2002 - 17:11 Uhr

Alle Rettungsversuche sind gescheitert, der zuständige Gerichtshof in Versaille hat die Liquidation von Prost ausgesprochen

Alain Prost
Aus und vorbei. Alain Prost ist als Teamchef gescheitert
© Imago

(Motorsport-Total.com/sid) - Als Rennfahrer wurde Alain Prost gefeiert, als Teamchef ist er nach nur fünf Jahren gescheitert - sportlich und vor allem finanziell: kein Geld, keine Sponsoren, keine Motoren. Die Formel-1-Saison 2002 findet endgültig ohne das Team des viermaligen Weltmeisters aus Frankreich statt, den sie zu seiner aktiven Zeit respektvoll den "Professor" nannten.

Knapp fünf Wochen vor dem WM-Auftakt in Melbourne (3. März) kam für den mit etwa 30 Millionen Euro verschuldeten Ex-Rennstall des Mönchengladbachers Heinz-Harald Frentzen das Aus. Das gab der zuständige Gerichtshof in Versailles am Montag nach einem wochenlangen Insolvenzverfahren bekannt. Damit werden in der kommenden Saison weiterhin insgesamt elf Teams mit 22 Autos um WM-Punkte kämpfen, für Prost ist Einsteiger Toyota dabei.

"Ich muss die Entscheidung akzeptieren"

"Wir sind bankrott, und ich muss die Entscheidung akzeptieren. Meine ersten Gedanken gelten jetzt dem Team", sagte Prost in einer ersten Stellungnahme. Meldungen, nach denen es eine Galgenfrist von 14 Tagen gebe, entsprechen nicht den Tatsachen. Laut Gerichtsurteil besteht der Name der Firma noch zwei Wochen, das sei jedoch alles. In dieser Zeit könnten Formalitäten wie beispielsweise die Räumung der Büros erledigt werden, hieß es aus Versailles.

"Eine Niederlage für Frankreich"

Der 47-jährige Prost, der den Gerichtssaal mit versteinerter Miene verließ, sagte, dass er bis zum bitteren Ende für das Team gekämpft habe: "Das ist auch eine Niederlage für Frankreich. Wir hatten nie Kontakt zu einem französischen Investor, das ist sehr, sehr traurig."

Noch vor wenigen Tagen hatte es einen kleinen Hoffnungsschimmer für Alain Prost gegeben, nachdem sich eine Gruppe italienischer Investoren gebildet hatte, um den Rennstall vor dem Bankrott zu retten. Initiator war der ehemalige Ferrari-Sportdirektor Cesare Fiorio, der Geschäftsleute aus seiner Heimat in Sardinien zur Mithilfe überredete. Doch für Alain Prost und seine rund 250 Angestellten kam diese Hilfe zu spät.

Erste Meldungen über finanzielle Schwierigkeiten des Rennstalls machten im August 2001 die Runde. Prost dementierte hartnäckig, doch die Fakten sprachen eine andere Sprache. Insgesamt waren fünf Fahrer für das angeschlagene Team in der vergangenen Saison im Einsatz: Jean Alesi (Frankreich), Gastón Mazzacane (Argentinien), Luciano Burti (Brasilien), Frentzen und Thomas Enge (Tschechien).

Alesi klagte lautstark, dass Prost sein Gehalt nicht pünktlich überwiesen habe. Der 37 Jahre alte Franzose verließ das Team im Zorn, fuhr die letzten Rennen 2001 für Jordan und lässt seine Karriere nun in der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft (DTM) ausklingen. Außerdem gab es Gerüchte, dass Alain Prost die Leasing-Gebühren für die Ferrari-Motoren nicht bezahlen könne. Beides wies der Teamchef energisch zurück.

Prost war 1997 aus dem Ligier-Rennstall hervorgegangen. Trotz aller Vorschusslorbeeren kam das Team sportlich nicht in die Gänge. Insgesamt bestritt Prost Racing 83 Grand Prix, Pole Positions und Siege blieben Fehlanzeige. Ein sechster Platz in der Konstrukteurs-WM 1997 war das beste Ergebnis. Unter anderem war Prost auch Arbeitgeber für zwei Fahrer aus Mönchengladbach. 2000 fuhr Nick Heidfeld für die Franzosen, danach wechselte er zum Schweizer Sauber-Team. Im vergangenen Jahr bekam Frentzen nach seiner Entlassung bei Jordan von Prost noch eine Chance. Nun muss sich Frentzen nach einem neuen Arbeitgeber umsehen, nachdem er wochenlang auf eine positive Meldung von Prost gewartet hatte.