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Bell: "Der Renault R25 hatte einfach keine Schwächen"

28. Oktober 2005 - 14:44 Uhr

Der Technische Direktor Chassis über die Strategie, den V8 erst im neuen Auto zu testen und die Tücken bei der Entwicklung eines Autos

Bob Bell
Bob Bell erklärt, welch schwieriger Balanceakt die Autoentwicklung ist
© Renault

(Motorsport-Total.com) - Frage: "Bob, würden sie den Renault R25 als erfolgreichen Rennwagen bezeichnen?"
Bob Bell: "Aber sicher. Und ich meine damit nicht nur die überragenden Ergebnisse. Aus Sicht des Ingenieurs ist ein Rennwagen dann erfolgreich, wenn er keine technischen Schwächen aufweist."

"Das ist vergleichbar mit der Stimmung unter den Mitgliedern eines Teams. Wenn es irgendwo nicht optimal passt, kann das große Auswirkungen auf andere Bereiche haben. Der Renault R25 hatte einfach keine Schwächen - weder beim Motor, noch beim Chassis."

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Frage: "Wie wissen sie während des Entwicklungsprozesses eines neuen Rennwagens, ob sie zu viele oder vielleicht zu wenig Risiken eingehen?"
Bell: "Da kann man sich eigentlich nie sicher sein. Bei der Suche nach dem Optimum treten bei einem Formel-1-Monoposto zahlreiche Unbekannte auf. Unsere Aufgabe besteht darin, die Risiken zu kontrollieren."

"Wenn du zu konservativ agierst, bedeutet das Rückschritt."
Bob Bell

"Wenn du zu konservativ agierst, bedeutet das Rückschritt. Gehst du zu viele Risiken ein, können dir massive Probleme mit der Zuverlässigkeit blühen. Der Verlauf der Saison 2005 zeigte, dass wir in diesem Punkt einen guten Kompromiss gefunden haben. Wir präsentierten in einigen Bereichen Innovatives, behielten dabei aber immer die Risiken im Auge."

Frage: "Lag darin eines der Geheimnisse des R25?"
Bell: "Vielleicht, ja. Das Thema Zuverlässigkeit genoss bei uns immer höchste Priorität. Auf der Suche nach mehr Leistung gingen wir vor diesem Hintergrund zu keinem Zeitpunkt Kompromisse ein. Diese Strategie zahlte sich aus. Der R25 war vielleicht nicht immer das schnellste Auto. Aber über die gesamte Saison gesehen war es das konkurrenzfähigste."

Frage: "Wie sehr bestimmt die Suche nach optimaler Zuverlässigkeit ihren Arbeitsablauf?"
Bell: "Du darfst die Zuverlässigkeit nie als selbstverständlich erachten. Ein Fahrzeugteil mag sieben Rennen lang perfekt funktioniert haben. Trotzdem musst du dir immer die Frage stellen, ob das auch für Rennen Nummer acht gilt."

Fernando Alonso
Der Renault R25 war ein extrem zuverlässiges Auto
© xpb.cc

"Die Leistungsfähigkeit der Formel-1-Rennwagen wächst ständig. Entsprechend musst du auch die Zuverlässigkeit der Komponenten anpassen. Wenn du dem Auto zum Beispiel ein besseres Handling angedeihen lässt, erlaubst du dem Fahrer damit, aggressiver zu fahren und die Kerbs härter zu überfahren. In der Folge kann dadurch urplötzlich ein Teil kaputt gehen."

"Unsere Arbeit besteht deshalb nicht unbedingt darin, Probleme zu lösen, sondern sie vorauszusehen. Wir versuchen uns ständig die unmöglichsten Szenarien vorzustellen, um im Voraus darauf reagieren zu können. Das ist eine immerwährende Herausforderung."

"Wir unterschätzen den Arbeitsaufwand auf keinen Fall."
Bob Bell

Frage: "In den Wintertests werden sie den neuen V8-Motor nicht einsetzen, bevor der Renault R26 fertig ist. Sehen sie da nicht ein Problem mit der Zuverlässigkeit auf sich zukommen?"
Bell: "Das glaube ich nicht. Wir unterschätzen den Arbeitsaufwand vor dem Hintergrund des neuen Reglements auf keinen Fall. Wir haben unseren Zeitablauf darauf abgestimmt. Der Renault R26 wird Anfang des neuen Jahres erste Testfahrten absolvieren. Wir werden wieder versuchen, so schnell wie möglich zwei Chassis einzusetzen, um das Maximum aus den Tests herauszuholen."

"Wir sind davon überzeugt, dass dieses Vorgehen die effizienteste Art darstellt, unsere Ressourcen optimal zu nutzen. Wir dürfen immerhin auch nicht vergessen, dass wir bis zum Ende der zurückliegenden Saison mit der Weiterentwicklung des R25 beschäftigt waren, um beide WM-Kronen einzufahren. Unser Ziel lautet, unsere Titel im kommenden Jahr zu verteidigen."