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Das Exklusiv-Interview mit Kevin Kalkhoven

04. September 2008 - 12:56 Uhr

Ex-ChampCar-Boss Kevin Kalkhoven sprach in Detroit mit 'Motorsport-Total.com' - nicht nur über seine neue Rolle als einfacher IndyCar-Teambesitzer

Kevin Kalkhoven
Kevin Kalkhoven geniesst seine neue Rolle als einfacher Teambesitzer sichtlich
© IRL

(Motorsport-Total.com) - Kevin Kalkhoven leitete viele Jahre lang die Geschicke der ChampCar-Serie, bevor schließlich im Frühjahr 2008 die lang ersehnte Wiedervereinigung im US-amerikanischen Formelsport umgesetzt werden konnte.

Seit dieser Zeit ist der australische Geschäftsmann - zusammen mit seinem Kompagnon Jimmy Vasser - "nur" noch Teambesitzer von KV-Racing. Kalkhoven-Landsmann Will Power und der Spanier Oriol Servia fahren die beiden KV-Dallara.

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'Motorsport-Total.com' traf am Wochenende des Indy-Grand-Prix in Detroit auf einen sehr entspannten Kevin Kalkhoven, der sich die Zeit nahm, um die aktuellen Geschehnisse im US-Formelsport zu diskutieren.

Frage: "Mr. Kalkhoven, ein halbes Jahr später könnte man fast formulieren. Oder einfacher ausgedrückt: Sechs Monate nach der Wiedervereinigung - wie fällt ihre Zwischenbilanz aus?"
Kevin Kalkhoven: "Ich habe eigentlich zwei große Eindrücke. Eines betrifft die Serie und eines betrifft das KV-Team. Die Serie selbst hat natürlich einen sehr positiven Effekt erhalten. Alle Tendenzen deuten nach oben, die Fernsehquoten gehen nach oben und wir sehen einen sehr wettbewerbsintensiven Motorsport."

IndyCars im Aufwind - KV mit Problemen

Will Power
Mit Will Power fährt auch ein australischer Landsmann im Kalkhoven-Team
© IRL

"Für das Team selbst waren diese sechs Monate aber ziemlich hart. Wir mussten uns in Windeseile an ein neues Auto gewöhnen und wir hatten auch keine detaillierten Kenntnisse der Strecken - vor allem natürlich auf den Oval-Strecken."

"Aber ich denke, wir haben im Saisonverlauf gezeigt, dass wir als Team mithalten können. Im Prinzip liegen wir in Sachen Entwicklung um 30 Millionen US-Dollar hinten, aber wir können uns trotzdem in den Top 6 qualifizieren und beenden die Rennen in den Top 10. Wir sind mit dem Fortschritt des Teams sehr zufrieden, mit den Resultaten aber weniger."

Frage: "Vor allem am vergangenen Wochenende in Sonoma waren Will Power und Oriol Servia schnell unterwegs. Beide haben sich in den Top 6 qualifiziert, sind dann im Rennen jedoch stark zurückgefallen. Was ist da passiert?"
Kalkhoven: "Wir haben ja in Bezug auf die Strecken nur ganz wenig Kenntnisse. Jeder Kurs benötigt eine ganz spezielle Konfiguration und es hat sich herausgestellt, dass beide Autos unter massiven Bremsproblemen litten. Will hat zum Beispiel seine kompletten hinteren Bremsen verloren und 50 Prozent seiner Vorderbremsen."

"Wir hatten einfach keine Erfahrungen unter Rennbedingungen auf dieser Strecke. Und das Gleiche wird hier in Detroit geschehen. Irgendetwas wird schiefgehen. Wir wissen leider nicht genau, was das sein wird, aber irgendetwas wird passieren."

Regelmäßiger Kontakt mit Tony George

Tony George und Kevin Kalkhoven
Frühjahr 2008 - der Handschlag zwischen Tony George und Kevin Kalkhoven
© IRL

"In der Qualifikation werden wir aber gut aussehen. Wir erwarten mindestens ein Auto in den Top 6 und das finde ich schon beeindruckend, gemessen daran, wo wir gerade stehen. Im Rennen selber wird dann irgendetwas kaputt gehen, wir wissen nur leider nicht was."

"Wir hatten in diesem Jahr schon Probleme mit dem Getriebe, wir hatten Probleme mit der Aufhängung und mit den Bremsen. Es ist einfach nur die Frage, über das Auto genau Bescheid zu wissen, und sich für ein ganz spezielles Rennen und für eine bestimmte Strecke vorbereiten zu können."

Frage: "Wie fühlen sie sich denn in ihrer neuen Rolle, als einfacher Teamchef? Haben sie diese Rolle akzeptiert und wie geht es ihnen dabei?"
Kalkhoven: "Eigentlich macht es nun viel mehr Spaß (lacht; Anm. d. Red.). Denn jetzt kann ich mich ganz darauf konzentrieren, das Team aufzubauen. Ich bringe mich auch regelmäßig ein und ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich es nun viel mehr genieße als früher, einfach nur ein Teambesitzer zu sein."

Frage: "Wie sehen sie die Entscheidungen, die nun für die Zukunft der Serie anstehen. Stichworte Chassis oder Motoren. Sind sie - zum Beispiel in beratender Funktion - in das Prozedere mit einbezogen, oder ist das nun alleine Sache von Tony George?"
Kalkhoven: "Nein, Tony hat mich zu diesen Meetings eingeladen, leider haben mich meine Geschäfte an einer Teilnahme gehindert. Aber jeder hier im Paddock ist nahe an der Geschichte dran und wir werden sehen, was am Ende dabei heraus kommt."

Europa-Rennen erst im zweiten Schritt möglich

Start in Zolder
Im Jahr 2007 waren die ChampCars zuletzt im belgischen Zolder zu Gast
© ChampCar Media

"Es ist ja kein Geheimnis, dass es ein starkes Interesse an kleineren Motoren mit Turboladern gibt, ganz einfach um die zukünftige Realität der Autowelt abzubilden. Aber wir müssen uns auch damit beschäftigen, wie sich die motorsportlichen Rahmenbedingungen seitens der Wirtschaft in zwei bis drei Jahren darstellen."

"Es ist jetzt gerade die Zeit, in der man natürlich möglichst alles so gut wie möglich einschätzen und abwägen muss. Aber ich bin sehr zuversichtlich, dass wir am Ende mit einer sehr guten Formel aufwarten werden können."

Frage: "Was die europäischen IndyCar-Fans natürlich sehr interessiert, ist die Frage nach einem Europa-Auftritt. 2007 waren die ChampCars in Assen und Zolder. Gibt es ihrer Meinung nach eine Chance auf zukünftige Europarennen mit den IndyCars, unter der Prämisse, dass ja selbst Surfers Paradise in Australien noch nicht zu 100 Prozent fix im Kalender ist?"
Kalkhoven: "Das ist richtig, da liegt aber weniger daran, dass wir es nicht versuchen. Surfers ist eigentlich ein hoch verdienter Pflichttermin. Aber ich glaube, das Erste was wir zu tun haben, ist in den USA wieder einen guten Kalender zu etablieren."

"Ich meine, es ist ja ganz klar, dass wir einige der traditionellen ChampCar-Rennen einführen müssen, weil es einfach tolle Events waren und sind. Wir müssen einige der weniger beliebten Rennen fallen lassen. Aber als allererstes müssen wir einen sauberen Rennkalender in Nordamerika etablieren."

"Erst wenn uns das gelungen ist, dann können wir den Versuch starten, die Serie auch international zu etablieren. Aber zuerst gilt die Devise, dass wir uns alle sicher sind, hier in Nordamerika eine richtig gute Präsenz aufzubauen."

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